Jahreslosung 2021

Gedanken zur neuen Jahreslosung

Seit 2008 gestaltet die Moosburger Künstlerin Angelika C. Damke die Jahreslosung für die Kanzel der Freien evangelischen Gemeinde Moosburg. Da Angelika C. Damke nicht nur in Acryl und Linolschnitt arbeitet, sondern auch mit Ihren Fotos schon an verschiedenen Ausstellungen teilgenommen hat, entschied sie sich in diesem Jahr auch die Jahreslosung mit einem Foto zu gestalten. Entstanden ist das Foto bei einem Nordseeurlaub im September letzten Jahres. Angelika C. Damke erlebte das erste Mal in ihrem Leben das Meer. Dabei entstanden viele Fotos von Ebbe und Flut. Gerade die Ebbe mit ihren Wattwurm-Häufchen beeindruckten sie, denn wie auch im Leben wird manches erst sichtbar, wenn die Decke des Schweigens oder der Oberflächlichkeit weggezogen wird.

Der Text der diesjährigen Jahreslosung steht in Lukasevangelium 6,36: Jesus spricht: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“
Der Vater, der seine Schuhe ausgezogen und die Hose hochgekrempelt hat, um mit seinem Sohn diesen Grund zu erforschen, erinnerte mich an eine Bibelstelle aus dem Alten Testament: Übersetzung aus Elberfelder Bibel:
2. Mose 3,4-5 "Als aber der HERR sah, dass er herzutrat, um zu sehen, da rief ihm Gott mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose! Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
Und er sprach: Tritt nicht näher heran! Zieh deine Sandalen von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden! Dann sprach er: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs."
Meine Gedanken dazu: "Gottes Heiligkeit ist so groß, dass es uns eigentlich unmöglich ist, sich ihm zu nahen. Doch Gottes Barmherzigkeit ist so groß, dass er seine Schuhe löst, um uns im Schlick unseres Lebens zu begleiten." In Lukas 10,25-37 erzählt Jesus ein Gleichnis auf die Frage des Schriftgelehrten: „Wer ist denn mein Nächster?“

Gott geht nicht an uns vorbei, sondern er macht sich eins mit uns, um uns da zu begegnen, wo wir gerade im Leben stecken geblieben sind.
Er behält die Ruhe und die Übersicht, hilft uns wieder auf und gibt uns das Nötige, um weiter zu leben.
Ja, Gott sandte uns sogar seinen Sohn, wie es im Brief an die Hebräer 2,17-18 heißt (Einheitsübersetzung 2016):
17 Deshalb musste er in jeder Beziehung seinen Brüdern und Schwestern gleich werden. So konnte er ein barmherziger und treuer Oberster Priester für sie werden, um vor Gott Sühne zu leisten für die Sünden des Volkes. 18 Weil er selbst gelitten hat und dadurch auf die Probe gestellt worden ist, kann er nun den Menschen helfen, die ebenfalls auf die Probe gestellt werden.“Jahreslosung 2021

Moosburg Kommunikativ

Blank liegende Nerven im Homeschooling. Zoff zwischen Ehepartnern. Missverständnisse am Arbeitsplatz. Oder die Welt der Social Media mit oft schnell und unbedacht getippten Vorverurteilungen.

Eines ist ihnen gemeinsam: Beziehungen – das vielleicht Wertvollste, das wir Menschen haben – gilt es jeden Tag aufs Neue zu verteidigen, zu schützen und zu pflegen!

Moosburg kommunikativ hat ein klares Ziel: Wir möchten Sie einladen, dabei mitzumachen, in unserer Region Beziehungen zu bauen und Missverständnisse zu überwinden.

Auf Youtube finden Sie ein Video zu "Homeschooling" & Podiumsgespräch zum Thema "Konflikte": https://www.youtube.com/watch?v=rRXaOtNDCOc

Weitere Informationen unter https://moosburg-kommunikativ.de/

 

Informationen zu COVID-19

Liebe Mitglieder, Freunde und Gäste,

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Angst, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2.Timotheus 1,7)

Dieses Wort gewinnt aktuell in Zeiten von Corona eine Bedeutung, die wir vor wenigen Wochen so noch nicht geahnt hätten. Dieser Tage überschlagen sich die Ereignisse und auch als Gemeinden können wir zurzeit nur „auf Sicht“ fahren. Die aktuelle globale Krise, die ja nicht nur die Viruserkrankung an sich ist, sondern auch die Angst und Panik davor und die langfristigen Folgen für unsere Wirtschaftssysteme betrifft, können wir als Christen als Chance begreifen, als Auftrag und besondere Möglichkeit, Gottes Liebe und Hoffnung zu transportieren. Uns erreichen ermutigende Berichte von Christen aus China, Iran, Israel und Italien, wie die Menschen sich plötzlich für das Evangelium öffnen wie nie zuvor. Diesen Blick gilt es jetzt einzunehmen.
Gleichzeitig wollen und müssen wir verantwortungsbewusst handeln und das gesamtgesellschaftliche Anliegen unterstützen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, um unser Gesundheitssystem nicht an die Grenzen seiner Kapazitäten zu bringen.

Aus diesem Grund haben wir heute Abend eine Telefonkonferenz der Ältesten und Bereichsleiter gehabt und möchten euch folgende Beschlüsse weitergeben:
• Alle Veranstaltungen im Bereich der Kinder-und Jugendarbeit werden wir ab sofort bis auf Weiteres aussetzen. Das betrifft bereits den Kindergottesdienst sowie den Teenkreis Eat&Read an diesem Sonntag. Ab wann wir hier wieder etwas anbieten, kann im Moment noch niemand sagen. Wir fahren hier „auf Sicht“ und hoffen, dass die Situation sich bald entspannt.
• Der Gottesdienst an diesem Sonntag (15.3.) findet noch einmal (in abgespeckter Form – und mit Videoaufzeichnung) statt. Wir möchten alle Personen, die zu Risikogruppen (Senioren, Vorerkrankte) gehören ermutigen zu Hause zu bleiben und allen, die sich dem Risiko nicht aussetzen möchten, alternative Wege anbieten. Außerdem weisen wir darauf hin, dass wir kei-nen Kindergottesdienst anbieten werden. Dieser Gottesdienst wird auf Vi-deo aufgezeichnet. Aktuell suchen wir nach der für uns am besten geeigne-ten Onlineplattform (YouTube oder etwas anderes), über die ihr den Gottes-dienst dann auch anschauen und so miterleben könnt. Wir geben dazu rechtzeitig weitere Infos heraus. Vermutlich werden ab nächsten Sonntag (22.3.) erst mal keine klassischen Gottesdienste mehr möglich sein (so wie das in Italien und Österreich bereits der Fall ist). Der Gottesdienst an diesem Sonntag hat ja passenderweise auch das Thema „Hände waschen, Kronen tragen – wie du deine Angst besiegen kannst“ und führt uns einige biblische Perspektiven spannend vor Augen.
• Wir wollen uns in dieser Situation aber eben nicht zurückziehen, sondern „jetzt erst recht“ Gottes Liebe unter die Menschen tragen. Dazu bedarf es nur eben alternativer Wege, die die Infektionsgefahr maximal reduzieren.
• Ein Weg dazu heißt „online gehen“, der andere „sich in Kleingruppen vernetzen“:
• Wir werden unsere Präsenz in den sozialen Netzwerken ausweiten und z.B. via YouTube Kurz-Videos oder auch Predigten online stellen. Diese kann man auch zum Weiterleiten nutzen und um mit Menschen über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Außerdem soll es Aktionen wie wö-chentliche schriftliche Andachten geben.
• Wir ermutigen euch dazu, dass ihr euch aktiv in Kleingruppen (Zweier-schaften, Hauskreise, Gebetskreise) trefft. Wir denken, dass gesunde und erwachsene Leute hier eigenverantwortlich entscheiden und sich absprechen können, wann und wo das möglich ist.
• Wir werden außerdem „Telefonkonferenzgebete“ anbieten. Wir veröffentlichen dazu Zeiten und Einwahldaten, wie man sich entweder via Telefon oder online in virtuelle Räume einloggen und sich so „von zu Hause“ aus zum Beten treffen kann. Bitte beachtet dazu die aktuellen Infos nächste Woche. In dieser Krise braucht die Menschheit und unser Volk Gebet. Wir würden uns wünschen, dass wir hier eine Gebetsoffensive nach vorne starten können – ohne Menschen in riskante oder unangenehme Situationen zu bringen.
• Aus Gründen der Ansteckungsgefahr bieten wir auch keine Abendmahlsfeiern im großen Rahmen und mit Gemeinschaftskelch mehr an. Wir glauben aber, dass gerade jetzt das Abendmahl stärkend ist und ja auch eine Heilszusage hat. Wir ermutigen euch daher dazu, dass ihr euch in euern Kleingruppen trefft und in diesem kleinen Rahmen Abendmahl feiert (mit Einzelkelchen). Gerne geben wir dazu Hilfestellungen.
• Sofern Personen aus der Gemeinde und darüber hinaus von Quarantäne-Maßnahmen betroffen sein werden, wollen wir als Gemeinde zusammenstehen und z.B. durch so Sachen wie „Einkäufe erledigen“ denen helfen, die selber dann jeweils für 14 Tage ihre Wohnung nicht mehr verlassen dürfen (ggf. bei Christian melden, um Maßnahmen zu koordinieren).
• Solltet ihr weitere Ideen haben (u.a. wie man Kindern etwas Schönes bieten kann, z.B. auch über Online-Bibel-Erlebnis-Angebote), der kann sich gerne jederzeit bei uns (Älteste und Bereichsleiter) melden. Natürlich kann man auch überlegen, als Familie bewusst die Passionszeit zu gestalten (Familienandachten, Ostergrab bauen …)
Wir beten um Schutz für alle Betroffenen und Risikopatienten, Kraft für die Mitarbeitenden im Gesundheitssystem, darum, dass viele in unserm Land diese Krise als Weckruf verstehen und zu Gott umkehren und dass die Christenheit neu Feuer fängt, leidenschaftlich zu beten und für Jesus einzutreten.
Viele sehr gute Gedanken finden sich im aktuellen Brief des „Wächterruf-Gebetsnetz“ (Beten in stürmischen Zeiten), den ihr diesem Schreiben angehängt findet.
Für generelle Hinweise zu Schutzmaßnahmen in Coronazeiten hat unser Bund Freier evangelischer Gemeinde eine Handreichung veröffentlicht, die ihr unter diesem Link findet:
https://feg.de/gottesdienst-und-infektionsrisiko/

Herzliche Grüße und Gottes Segen euch allen,
Eure Ältesten und Bereichsleiter der FeG Moosburg

 Beten in stürmischen Zeiten

Jahreslosung 2020

Gedanken zum Bild zur neuen Jahreslosung 2020

 

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Markus 9,24 so lautet der Vers der diesjährigen Jahreslosung.

 

Die Moosburger Künstlerin, Angelika C. Damke, hat zum 11. Mal den Text der  Jahreslosung in ein Bild für die Kanzel der Freien evangelischen Gemeinde umgesetzt.

Im Kontext erfahren wir die Begebenheit, von einem Vater und seinem schwer kranken Sohn, der sich Hilfe von den Jüngern von Jesus erhofft. Doch die können nicht helfen.

Markus 9,21-23

„Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen,

dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!

Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“

Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

„Ich ersetze das Wort Glauben gerne mit dem Wort Vertrauen.

Im Alltag wird das Wort glauben auch mit denken, vermuten gleichgesetzt. Vertrauen ist viel tiefer in seiner Wertigkeit.

 

Dazu zwei Beispiele: Es ist für mich ein großer Unterschied, ob ein Bergsteiger sagt, ich glaube (denke) das Seil hält, oder wenn er sagt, ich vertraue darauf, dass das Seil hält. Denn dabei kann es auch um Leben und Tod gehen.

Auch im Bezug einer Partnerschaft empfindet man einen Unterschied in der Aussage: Ich glaube mein Partner ist mir treu oder ich vertraue, mein Partner ist mir treu.

Doch wie setzt man diesen Begriff Glauben mit dem Inhalt von tiefem Vertrauen in ein Bild um?

Bei der Frage: Was fordert mein Vertrauen heraus, kam mir immer wieder das Bild einer Hängebrücke.“

Auch als Christ lebt man nicht vom Boden abgehoben auf Wolke sieben.

Im Leben eines Christen gibt es Herausforderungen wie so eine Hängebrücke, Glaubensschritte, die ein Wagnis sind.

Z.B. seinen sicheren Beruf aufzugeben, um als Missionar mithilfe von Spendengeldern jungen Menschen in einem fremden Land eine neue Perspektive zu geben.

Schwere Lebensphasen begegnen einem Christen auch, dafür stehen das Wasser und das Feuer.

Im Alten Testament gibt es eine Stelle aus Jesaja 43,2-3, die kam mir in den Sinn:

Wenn du durch tiefes Wasser oder reißende Ströme gehen musst – ich bin bei dir, du wirst nicht ertrinken. Und wenn du ins Feuer gerätst, bleibst du unversehrt. Keine Flamme wird dich verbrennen. Denn ich, der HERR, bin dein Gott, der heilige Gott Israels. Ich bin dein Retter. Ich bezahle ein hohes Lösegeld für deine Befreiung.

Die ausgestreckte Hand mit dem Herz als Wundmal, zeigt Jesu Liebe zu den Menschen. Er litt für uns und starb für uns. Er ist der Retter.

Sein vergossenes Blut ist das Rettungsseil über dieses Leben hinaus.

Jesus kennt Ausgrenzung, Schmerzen und Ängste. Er bezahlte mit seinem Leben.

Daran zu glauben, darauf zu vertrauen, dass diese Hand da ist, tröstet, ermutigt, begleitet und führt, bringt Hoffnung und Zuversicht, eben Gottvertrauen.

Und selbst wenn der Krebs der scheinbare Sieger ist, wie bei meinem Bruder 2018, so zeigen die letzten handgeschriebenen Zeilen von ihm, was Glaube bedeuten kann.

Es war der Vers aus 1. Brief an die Korinther 15,43.

„Es wird gesät in Schwachheit, es wir auferweckt in Kraft.“

Der Blick geht nach oben, wie auf dem Bild.

Der Lebensweg endet nicht im Wasser, im Feuer oder im Dunkel, sondern geht weiter in Gottes Hand.

Jesus sagte in Mt. 28,20b: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“

 Ich finde: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!,

 ist eines der ehrlichsten Gebete, die man sprechen kann.“

 

Es spricht von Gottvertrauen und ist zugleich die Bitte um Hilfe, nach der entgegen gestreckten rettenden Hand, wenn Zweifel auftreten.

„Bunt und chaotisch wie die Second-Hand-Märkte ihrer Wahl-Heimat“

Angelika Wohlenberg berichtete über ihr abenteuerliches Leben

Nur die Staubwolken und die Gerüche von Kuhdung und Rauch von den Holzfeuern fehlten noch, um die Besucher ganzheitlich in die Massai-Steppe zu versetzen - die Hitze im Gemeindesaal  fühlte sich schon danach an, als am 23. Juli Angelika Wohlenberg mit ihrem Team in unserer Gemeinde zu Gast waren.

Als letzte Station ihrer 5-wöchigen Vortragsreise durch Deutschland begeisterte sie zusammen mit ihrer Kollegin Elisabeth Merz, dem Evangelisten Jona, Lehrer Wilson, Studentin Penina und Schülerin Glory ihre 80 Zuhörer in der Freien evangelischen Gemeinde Moosburg. Mit Liedern, Bildern, einem Film und vielen Schilderungen aus einer fremden Welt brachten sie den Gästen auf anschauliche Weise die dramatische Bedrohung dieses stolzen Hirtenvolkes nahe, aber auch die Hoffnung, die in vielen Massai durch eine veränderte Einstellung und Lebensweise aufkeimt.

Seit 36 Jahren lebt und arbeitet Angelika Wohlenberg in der Massaisteppe in Tansania. Vor 20 Jahren gründete sie den Verein „Hilfe für die Massai“ und erlebt Wunder über Wunder: 800 Schüler, 60 Lehrer und Arbeiter wollen jeden Monat versorgt sein, dass dies all die Jahre nur durch Spenden und Patenschaften gelang, kann man wirklich nur als Wunder bezeichnen.

Die für europäische Ohren eigentümlich anmutenden Gesänge der vier Massai und deren ausdrucksstarken Gesten und Bewegungen ließen erahnen, dass es in den Liedern um emotionale Themen ging. Beschrieben diese traditionellen Gesänge ursprünglich nur die Heldentaten der Massai-Krieger, wie sie beispielsweise ihre Herden vor Löwen bewahrten, so besingen heute die Massai-Christen damit ihre Freude am Glauben. Ein wunderschönes Beispiel dafür, dass Mission keineswegs die alte Kultur zerstören muss, sondern ihre Formen lediglich mit wertvollen neuen Inhalten füllen kann.

Die 22-jährige Penina erzählte in fließendem Englisch, wie sie auf Ihrer Vortragsreise in deutschen Schulen über deren gute Ausstattung und den wertschätzenden Umgang der Lehrer mit den Schülern staunte. Bei ihr zu hause sei es an der Tagesordnung, dass  Lehrer die Schüler schlugen, es gäbe weder Bücher noch andere Hilfsmittel, die Klassen hätten oft über 100 Schüler. Sie sei daher so dankbar, dass sie durch den Verein Hilfe für die Massai eine Schule besuchen konnte, in der die Schüler angstfrei lernen dürften.

Die 19-jährige Glory schilderte ihre dramatische Flucht: ihr  Vater hat  4 Frauen und 33 Kinder, sie sei aber die einzige, die dank des mutigen Plans ihrer Mutter, sie heimlich wegzubringen, gegen den Willen ihrs Vaters zur Schule gehen konnte. Als ihre Flucht aufflog, schlug ihr Vater ihre Mutter aus Wut darüber, dass  ihm nun der Brautpreis entging. Massai-Frauen wüssten oft einfach nicht, dass sie staatlich garantierte Rechte hätten, weshalb sie immer noch als Kinder an zahlungsfähige Massai-Männer verkauft würden, so die Schülerin. Mit dem Satz „Wenn du ein Mädchen bildest, bildest du eine ganze Nation“ beendete sie ihr emotionsgeladenes Zeugnis.

Wilson, der als Lehrer zusammen mit seiner Frau in seinem Massai-Dorf eine Schule gegründet hat, erzählte von dem ähnlichen Schicksal seiner Frau, die in dem Internat von Hilfe für die Massai ihre Schulausbildung absolvierte. „Ihr Vater, der 6 Frauen, 46 Kinder und mit Enkeln 125 Nachkommen hat, hatte schon als Brautpreis die Kühe bekommen, als sie floh. Massais betrachten ihre Frauen als rechtloses Eigentum. Als ich Christ wurde, machten sich viele Massai  darüber lustig, dass ich mit meiner Frau Händchen halte, aber allmählich erleben wir, dass sich die Einstellung ändert, dass viele endlich verstehen, wie gut es auch für sie selbst wäre, ihre Töchter in die Schule zu schicken.“

Jona schilderte sein früheres Leben als Massai-Krieger. Er hatte die größten Freiheiten, ging mit den anderen Kriegern jagen, sie feierten, stahlen Schafe und Ziegen anderer Clans und missbrauchten Mädchen. Er selbst sei sehr arrogant gewesen, habe nie in Anwesenheit von Frauen gegessen, verachtete  Frauen und verspottete Christen. Als  sein Freund Christ  wurde, lauerte Jona ihn mit anderen Kriegern auf, um ihn zu töten. Der Plan misslang. Danach erschien im ihm Traum Jesus: „wir kamen auf einen Hügel und sahen eine hell erleuchtete Welt, als ich näher gehen wollte, sagte eine Stimme: geh und sag den Leuten, sie sollen zu mir kommen!“ Für ihn sei dies der Tag seiner radikalen Umkehr gewesen: er schnitt sich seine Massai-Krieger-Rasta-Locken ab, kaufte sich eine Bibel, und beschloss, Evangelist zu werden. „Sister Angelika sagte zu mir: geh auf die Bibelschule, dann wirst du Missionar in Deutschland! Meine Massai-Freunde aber verspotteten mich und sagten: du bist eine Frau geworden, wenn ich über den Markt ging, spuckten sie vor mir auf den Boden.“ Jona beendete seine „Apostelgeschichte-live“ anmutenden Ausführungen mit dem nachdenklichen Satz: „Ich habe gesehen, dass hier in Deutschland viele Menschen durch ihren Reichtum  Gott vergessen.“

Ein  Film führte den Besuchern die dramatische Bedrohung des Hirtenvolkes vor Augen: große ausländische Farmer nehmen mit dem Einverständnis der  tansanianischen Regierung den Massai ihre Weidegründe weg, arabische Großwildjäger dringen in ihr Land ein, bedingt durch die dramatisch beschleunigten Folgen der Erderwärmung  bleibt der Regen entweder aus oder sorgt für unheilvolle Überschwemmungen. Ermutigend war es für den Verein, als die deutsche Botschaft für die Schule eine Biogas-Anlage, die das Gas für die Öfen bereitstellt, finanzierte.

Angelika Wohlenberg erzählte dann ein paar Episoden ihres Lebens. Sie redet wie eine Nähmaschine, es sprudelt nur so aus ihr heraus. Und sie hat vieles zu erzählen. Ihr Leben ist so bunt und chaotisch wie die Second-Hand-Märkte ihrer Wahlheimat Tansania. Unzählige Male sei sie mit ihrem Landcruiser stecken geblieben, dank ihrer Seilwinde käme sie aber immer wieder aus dem Schlamm. „das ist ein Bild für unser Leben: Jesus ist wie eine Seilwinde, der uns immer wieder rauszieht, wenn der Karren im Dreck steckt.“ Besonders dankbar sei sie für die vielen Volontäre, die sie über das Stuttgarter Werk „Coworkers“ seit Jahren in ihrem Projekt zur Seite gestellt bekäme. „Wenn sie das erste Zebra sehen, sind sie begeistert und fotografieren, mit der Zeit ist der Anblick dann nichts Besonderes mehr. Genau so ist es mit Jesus. In Europa ist der christliche Glaube nichts Besonderes mehr. Die Massai hingegen erleben Jesus so radikal, ihr Leben verändert sich dadurch so deutlich sichtbar!“ Nachdenklich machte das Resummee ihres 36-jährigen Wirkens: „erst nach 7 Jahren sagten Massai das erste Mal zu mir, dass sie darüber, wie ich lebe und was ich sage, nachdenklich geworden seien. Und erst nach 10 Jahren begannen einige, diese Erkenntnis in ihrem eigenen Leben umzusetzen.“

Elisabeth Merz berichtete von ihrem Alltag als Koordinatorin. Die mittlerweile sogar das Abitur anbietende Schule von Hilfe für die Massai sei das größte Projekt, daneben versorgen sie aber auch Kranke, halten Seminare zu Gesundheitsthemen und führen ein erfolgreiches Frauenprojekt durch, wodurch Frauen ihr eigenes Einkommen erwirtschaften könnten. Aus dem durch Patenschaften finanzierten Schul-Projekt konnten bereits viele hunderte Mädchen vor einer Zwangsheirat bewahrt und ihnen stattdessen zu einer guten Ausbildung verholfen werden. Es sei eine große Herausforderung, genügend Paten für die Kinder zu finden, besonders für die Schulabgänger, die danach studieren möchten. Obwohl die Genitalverstümmelung zwar gesetzlich verboten sei, werde sie bei den Massai immer noch praktiziert, und auch da wären sie gefordert, zu verhindern, dass ihre Schülerinnen heimlich beschnitten werden. Das Foto  einer 12-jährigen Massai-Braut mit unbeschreiblich traurigen Augen stellte Elisabeth Merz zuletzt dem lachenden Gesicht einer ihrer Schülerinnen beim Spiel gegenüber.

Von dem eindrücklichen Abend nachdenklich geworden unterhielten sich noch viele der Besucher lange angeregt bei Getränken und Snacks. Auf der Seite von Hilfe für die Massai gibt es weitere Informationen: www.help for the massai.org

Lilo Horsch